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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest.
Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.
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02. Oktober 2011
iPhone-Liebe-Hirnscan: Das wäre doch was als Meldung, oder? (Nachträge)
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 20
Nur eine kurze Wochenendwarnung an all die Kollegen, die nach einer schönen Meldung für die kommenden Tage suchen. Solltet Ihr in die Versuchung kommen, daraus (Stichwörter sind iphone, Liebe, Hirnscan) eine Nachricht zu stricken (und es bietet sich an, weil am Dienstag neue iphones präsentiert werden), haltet einen Moment inne - und lest erst mal folgende Blogposts dazu:
- NYT Editorial + fMRI = complete crap
- Neuromarketing means never having to say you're peer reviewed (but here's your NYT op-ed space)
- the New York Times blows it big time on brain imaging
- fMRI Shosws My Bullshit Detector Going Ape Shit Over iPhone Lust
Versucht zu widerstehen, gefällt vielleicht Eurem Chef ... aber ihr wisst es besser und Eure Leser werden es Euch danken ...
Nachtrag: David Dobbs weist auf Twitter noch auf einen Beitrag aus dem Juni hin, der erklärt, was generell das Problem mit diesen "Hirnscan zeigt, dass ..."-Meldungen ist:
Nachtrag 3: Und noch zwei Stücke:
- Attention New York Times Reader: You probably Do Not Love Your iphone. Literally.
- Do You Really Love Your iPhone, That Way?
Autor: Marcus Anhäuser· 02.10.11 · 16:04 Uhr· 20 Kommentare
28. September 2011
Was macht eigentlich der Medien-Doktor? oder Braucht der Wissenschaftsjournalismus auch sowas?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Spätestens jetzt sollte ich vielleicht endlich mal ein wenig erklären, was der Medien-Doktor genau ist (u.a. der Grund, warum es hier so still ist auf dem Blog). Gerade jetzt bietet es sich an, weil Alexander Gerber auf seinem [sic]-Blog (hier bei Sb) u.a. die Frage aufgeworfen hat, ob es für den Wissenschaftsjournalismus auch so etwas bräuchte wie den Medien-Doktorder, der sich um Medizinberichterstattung kümmert (und dessen Leitender Redakteur ich bin).
Anlass für Alexander ist der Vorschlag englischer Wissenschaftler (hier beim Freitag gibt es den Artikel aus dem Guardian in deutsch), für einen regelmäßigen Faktencheck wissenschaftsjournalistischer Artikel/Beiträge, den die Journalisten bei den Wissenschaftlern, über die sie berichten, durchführen lassen sollen.

Damit alle wissen, was der Medien-Doktor eigentlich ist und macht, stelle ich hier mal einen Artikel online, den ich für das Branchenmagazin 'Der Fachjournalist' geschrieben habe und der dort in der April-Ausgabe erschien (hier kann man sich ihn als pdf runterladen).
Er ist keine Antwort auf die Frage, ob Wissenschaftsjournalismus so etwas wie den Faktencheck braucht, aber er erklärt, wie ein System aussehen kann, das u.a. helfen kann, immer wieder auf die Fallstricke im Wissenschaftsjournalismus hinzuweisen.
Hier also eine durchaus ausführliche Erklärung, was der Medien-Doktor macht und leisten möchte. Es geht nämlich durchaus nicht nur um Kritik ...
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Der Medien-Doktor: Bei Journalisten zur Visite
Fast jeder von uns hat sie wohl schon gelesen, gehört oder gesehen - und sich geärgert: Diese Meldungen, die einen „Durchbruch" bei der Bekämpfung einer schweren Krankheit verkünden oder eine einfache Lösung für ein gesundheitliches Problem, das Millionen von Menschen plagt. Sie füllen die Seiten der Tageszeitungen und Wochenmagazine, Internetpostillen oder TV-Rubriken: „Neun Walnüsse am Tag senken Bluthochdruck", „Vitamin B könnte gegen Alzheimer helfen", „Erfolg im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs"... Wer ausgewogenen und kritischen Medizinjournalismus erwartet, wird dabei nicht immer, aber immer wieder enttäuscht. Der Nutzen der Therapie wird maßlos übertrieben, auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Text nicht ein, an der Studie war nur eine Handvoll Probanden beteiligt, die Pressemitteilung war die einzige Quelle.
Es gibt viele ausgezeichnete Artikel und Sendungen über Gesundheitsthemen - differenziert, einordnend, mit journalistischer Distanz und gesunder Skepsis. Doch es gibt eben auch diese übertriebenen, unnötigen und des- informierenden Beiträge, die leider nicht nur journalistische wie medizinische Profis ärgern und unbedarfte Leser und Zuschauer falsch informieren, sondern auch Patienten und ihren Angehörigen unbegründete Hoffnungen oder Sorgen bereiten.
Die Gründe für solche Texte und Sendungen sind viel- fältig: Sie reichen von den immer schlechter werdenden Bedingungen im Journalismus, Zeitdruck und Platzmangel über Unkenntnis und Unvermögen bis hin zu Faulheit und „Wurschtigkeit". Ausbaden müssen es am Ende Leser, Zuhörer und Zuschauer.
Seit einigen Jahren gibt es in mehreren Ländern Projekte, die sich nicht mehr damit abfinden wollen. Sie überprüfen medizinjournalistische Beiträge auf Herz und Nieren, bewerten sie und veröffentlichen ihr Lob und ihre Kritik im Internet. „Behind The Headlines", „Media Doctor" oder „HealthNewsReview" heißen sie. Die einen verfolgen einen eher deskriptiven Ansatz wie „Behind the Headlines", die anderen gehen nach einem festgelegten Kriterienkatalog vor.
Im deutschsprachigen Raum sind es bisher vor allem Blogs, die zumeist Kritik über schlechten Gesundheitsjournalismus äußern - Lob für gute Stücke findet sich in Blogs (naturgemäß?) eher selten. Seit November 2010 gibt es nun aber auch im deutschsprachigen Raum ein professionelles Monitoring-Projekt, das die Qualität im hiesigen Medizinjournalismus untersucht, gleichermaßen lobt wie kritisiert, auf Fallstricke in der Berichterstattung hinweist und Hilfestellung geben will: Der Medien-Doktor. Angesiedelt ist das Projekt an der Technischen Universität Dortmund, am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus von Holger Wormer. Unterstützt wird es vor allem von der Initiative Wissenschaftsjournalismus (mit den Trägern Robert Bosch Stiftung, Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und BASF. NACHTRAG: nur noch bis Ende 2012) und die Fachverbände „WPK - die Wissenschaftsjournalisten" und VDMJ.
Welche Informationen benötigen Leser, Zuhörer und Zuschauer?
Regelmäßig bewertet ein Gutachterteam aus erfahrenen Medizin- und Wissenschaftsjournalisten eine ganz bestimmte Kategorie medizinjournalistischer Beiträge: Artikel und Sendungen, in denen über den Nutzen oder die Sicherheit von (neuen) Therapien, Wirkstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln oder auch diagnostischen Tests berichtet wird. Der Medien-Doktor folgt dabei einem Kriterienkatalog, der von den Vorgängerprojekten in Australien, Kanada, Hongkong, Japan (Media Doctor) und den USA (HealthNewsReview) aufgestellt wurde und noch immer angewendet wird. Gemeinsam ist diesen Kriterien die starke Rezipientensicht, die Orientierung an dem, was Leser und Zuschauer, Patienten und ihre Angehörigen an Informationen benötigen, um sich ein vollständiges Bild machen zu können.
Dazu gehört zum Beispiel dass der Nutzen einer Therapie nicht übertrieben dargestellt wird - wieder einmal also nur die Senkung des relativen Risikos für eine Erkrankung Erwähnung findet. So zum Beispiel wenn es heißt, ein Mittel senke die Zahl der Herzinfarkte um „sensationelle 50 Prozent", absolut betrachtet aber die Anzahl der Herzinfarkte von weniger spektakulären zwei je hundert auf einen je hundert Behandelten sinkt. Zu einem vollständigen Bild gehört auch, dass Nebenwirkungen, Kosten und Alternativen thematisiert werden, dass es eine Einschätzung gibt, wie neu ein Ansatz wirklich ist, dass klar wird, wann und für wen ein Mittel verfügbar ist oder wie gut die Evidenz der Studien ist. Wichtig für das Urteil eines Lesers oder Zuschauers ist auch die Einschätzung von Medizinern, die nicht an der vorgestellten Studie beteiligt sind, oder auch die Information, welche Interessenkonflikte bestehen.
Qualität erforschen
Die Ansiedlung des ganzen Projekts an der Dortmunder Universität hat - abgesehen von der Unabhängigkeit - weitere Vorteile. Im Laufe der Zeit erhalten wir durch die regelmäßige Begutachtung einen einmaligen Datenschatz. Diesen können wir nutzen, um Erkenntnisse über die Qualität in einem bestimmten Bereich des Medizinjournalismus' in Deutschland zu gewinnen. Im Hinblick auf welche Kriterien informieren Journalisten die Konsumenten besonders gut, wo haben sie besondere Probleme? Gibt es Unterschiede zwischen Lokalredaktionen und den Redaktionen der überregionalen Blätter? Zwischen Spezialisten und Allroundern? Zwischen Print und TV? Wir können diese Erkenntnisse dann gezielt an die Journalisten zurückgeben - in Form maßgeschneiderter Seminare oder einer medizinjournalistischen „Blattkritik", die der Lehrstuhl im Rahmen des Drittmittelprojekts „Initiative Wissenschaftsjournalismus" den Redaktionen schon jetzt anbietet. Schließlich fließen die Ergebnisse auch in Lehre und Ausbildung der jungen Kollegen und Studierenden.
Diese haben schon in der Vorbereitungsphase in einem Seminar zur Qualität im Medizinjournalismus unter Leitung des Lehrstuhlinhabers Holger Wormer an den Kriterien mitgearbeitet, sie erweitert und getestet, was letztlich in weiteren Entwicklungsschritten mit unseren journalistischen Gutachtern zu dem nun verwendeten Set der „Allgemeinjournalistischen Kriterien" führte.
Und die Entwicklung geht weiter: Wie etwa lässt sich das Konzept des Kriterienkatalogs auf andere Bereiche des Medizin- und Wissenschaftsjournalismus übertragen? Welche Kriterien könnte man zum Beispiel für die Umweltberichterstattung, den Technikjournalismus oder die Behandlung von Physik- und Chemiethemen übernehmen? Welche müsste man neu definieren? Könnte man sogar Qualitätskriterien für (medizinische) Pressemitteilungen entwickeln? Risiken und Nebenwirkungen gibt es auch in anderen Bereichen.
Öffentlichkeit gehört zum Konzept
Die Gutachten werden ganz ähnlich dem wissenschaftlichen „peer review"-Verfahren von jeweils zwei Journalisten unabhängig voneinander erstellt und dann zu einem Gutachten zusammengeführt. Das Endergebnis präsentieren wir, der Medien-Doktor, schließlich auf unserer Webseite www.medien-doktor.de. Für jedes Kriterium begründen wir, warum wir es als „erfüllt" oder als „nicht erfüllt" betrachten. Aus dem Verhältnis von „erfüllten" zu „nicht erfüllten" Kriterien errechnet sich die Gesamtwertung, im besten Fall fünf, im schlechtesten Fall null Sterne.
Dass wir die Gutachten veröffentlichen, gehört dabei zum Konzept des Projektes, genau wie bei unseren internationalen Schwesterprojekten, die zum Teil schon seit 2004 medizinjournalistische Beiträge bewerten. Mit jedem einzelnen Gutachten - ob im Ergebnis gut oder schlecht - haben wir die Chance, am konkreten Beispiel zu diskutieren, was ein medizinjournalistischer Beitrag benötigt, damit Leser, Zuhörer und Zuschauer unserer Meinung nach gut und richtig informiert werden. Damit bieten wir gerade auch den besonders guten und bemerkenswerten Beiträgen eine Plattform und helfen damit vielleicht anderen, am guten Beispiel zu lernen. Letztlich erhoffen wir uns durch die Präsentation auf der Webseite Lerneffekte, die womöglich nachhaltiger sind als so manches Zwei-Tage-Seminar.
Tipps und Kniffe für Medizinjournalisten
Aber wir wollen nicht nur loben, kritisieren und ein Bewusstsein für bestimmte Kriterien im Medizinjournalismus wecken. Wir betrachten die Website auch als eine zentrale Plattform für unsere Zunft, auf denen Journalisten Ressourcen finden, die ihnen bei ihrem nicht immer einfachen Job helfen (sollen). So verweisen wir im Bereich „Tools für Journalisten" (der noch im Aufbau ist) auf Artikel und Webressourcen, die weiterhelfen, etwa bei den Fragen, wie man gute von schlechten Studien unterscheidet, wie man mit Statistiken umgeht oder wo man schnell verlässliche Quellen für die Recherche findet. Im neu gestarteten Blog „Sprechstunde" bieten wir regelmäßig Linktipps rund um den Medizinjournalismus an oder widmen uns in ausführlichen Artikeln einem ganz spezifischen Problem unserer Zunft.
Eines wollen wir mit unserem Projekt aber auf keinen Fall: Journalisten an den Pranger stellen. Wir hoffen, unsere Kritik wird als konstruktiv empfunden. Uns geht es auch nicht um den einzelnen Kollegen. Ein Beitrag ist oft genug ein Gemeinschaftswerk, an dem auch Redakteure, Layouter, Grafiker oder Kameraleute beteiligt sind. In den Gutachten nennen wir nie den Namen eines Autors. Es muss sich also niemand sorgen, dass eine schlechte Bewertung in der Google-Liste seines Namens auftaucht.
Für erste Ergebnisse ist es naturgemäß noch viel zu früh, wir haben gerade die ersten 25 Gutachten veröffentlicht. Wir haben Fünf-Sterne-Artikel gesehen, wir haben auch null Sterne vergeben. Der Nutzen wird selten verständlich erklärt oder quantifiziert, Risiken und Nebenwirkungen fallen oft unter den Tisch - auch bei Leitmedien. Zu oft war die Pressemitteilung die einzige Quelle. Im Regionalbereich fällt zum Teil eine Art Hofberichterstattung auf: Der leitende Arzt einer Klinik darf sich und seine OP-Methode im besten Licht präsentieren, kritische Anmerkungen fehlen völlig. Ein erstes Muster, das sich aber erst noch bestätigen muss.
Feedback der Autoren
Und was sagen die Autoren? Wir haben auch erste Feedbacks bekommen. Vor allem, wenn das Sterneergebnis mager ausfiel, sind der erste Schreck und auch ein Funke Empörung in mancher E-Mail zu spüren. „Warum haben Sie ausgerechnet meinen kleinen Artikel ausgesucht?", „Das ist doch unfair, Texte aus einer Lokalredaktion mit denen einer großen Wochenzeitung zu vergleichen!" Selbst Rufschädigung wurde schon deklamiert. Und überhaupt: „Was erwarten Sie denn, bei dem Honorar, so wenig Platz und Zeit?"
Das sind natürlich verständliche Reaktionen, aber sie sind auch symptomatisch, denn es wird fast immer aus der Perspektive des Journalisten heraus argumentiert: „Die Bedingungen sind so, was sollen wir denn machen?" Richtig, die Bedingungen sind so, wir vom Medien-Doktor wissen das alle nur zu gut. Aber wir bewerten die Beiträge vor allem aus der Sicht der Rezipienten. Die lesen den Artikel oder sehen den Bericht und erwarten, gut und richtig informiert zu werden - im Wochenmagazin genauso wie auf der Lokalseite. Wäre das nicht eine absurde Vorstellung, wenn wir vom Leser oder Zuschauer erwarteten, er müsse die Bedingungen im Journalismus mit in seine Überlegungen einbeziehen? Frei nach dem Motto: „Hier hätte mich noch die Einschätzung eines unabhängigen Mediziners interessiert, aber wahrscheinlich hat der Autor zu wenig Honorar bekommen. Schade, eigentlich."
Dass wir mit unserer Bewertung tatsächlich Hilfestellung geben können, zeigt, wie ich finde, die professionelle Reaktion einer Autorin. Nach dem ersten Schreck und einigen Erklärungen unsererseits, schrieb sie uns zurück: „Ich habe jedenfalls für mich beschlossen, in Anlehnung an die beim Medien-Doktor verwendeten Kriterien [...] meine eigene kleine Beurteilungsliste aufzustellen und meine künftigen Texte vor Abgabe daran zu messen. Das ist mein Beitrag zur Verbesserung."
Wenn das mit der Zeit immer mehr Kollegen machen, dann haben wir mit dem Medien-Doktor tatsächlich etwas erreicht.
Autor: Marcus Anhäuser· 28.09.11 · 11:16 Uhr· 4 Kommentare
30. August 2011
GEO: Warum eine Jahreszahl bei Studien so wichtig ist
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Allein der Umstand, dass ich mich nach über einem halben Jahr jetzt endlich mal wieder hier melde, zeugt vielleicht davon, wie ärgerlich ich das Folgende finde. Und ich schicke gleich ein fettes "'tschuldigung" an Ulrich Berger rüber, (der - und all die anderen, Linklisten hier und hier)- in der GEO-Alternativmedizin-Story so viel Aufwand betreibt), dass ich mich gerade so schamlos bei ihm bediene.
(Ich poste das hier mal unter "Kultur", weil sonst Ulrichs Beitrag in der Medizin-Scheine nach unten rutscht, und das wäre nun wirklich unangemessen).
Gerade erst hat Ulrich einen Dialog zwischen ihm und der GEO-Autorin Petra Thorbrietz auf seinem Blog gepostet, in dem die Autorin u.a. auf seine Fragen auf der Facebook-Seite antwortet. (Dafür erst mal meinen Respekt an die Autorin.)
Das aus meiner Sicht dickste Ding kommt gleich zu Anfang und es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie wichtig es ist in Artikeln und Beiträgen zu erklären, woher das Wissen stammt, das ein Journalist berichtet (das klappt nicht immer, immer wieder wird es von Redakteuren auch schon mal rausgestrichen, weil es den Text weniger gut lesbar macht).
Es reicht selten aus, zu schreiben "zeigten Studien", und wenn man ein solche Aussage liest, sollten sofort die Alarmglocken läuten. Vor allem, wenn es um zentrale Studien geht, die als Kronzeugen für eine Behauptung herhalten müssen.
Das aktuelle Beispiel zeigt das ganz deutlich. Ich kopiere deshalb einfach mal Ulrichs Passage dazu hier herein ... damit es mal irgendwo schön separat steht. Die Links habe ich raus gelassen, wer zu den Studien möchte, sollte sowieso rüber zu Ulrich Bergers Beitrag wechseln. Es ist seine Arbeit.
(Kurze Erklärung: Im Text taucht bei Ulrich die Aussage auf: "eine odds ratio von 2,45". Das ist die statistische Zahl auf die sich die Aussage bezieht, dass der Homöopathieffekt mehr als doppelt so hoch ist wie ein Placeboeffekt.).
Außerdem bedeutet:
PT (GEO): Aussage der Autorin im GEO-Artikel
UB (FB): Kritische Anmerkung/Richtigstellung von Ulrich Berger auf Facebook
PT (FB): Autorin antwortet darauf auf Facebook
UB (aktuell): Ulrich Berger antwortet auf Autorin
PT (GEO): Nach Metaanalysen vieler kontrollierter Studien ist der Homöopathie-Effekt mehr als doppelt so hoch wie die allein durch ein Placebo erklärbare Genesung.UB (FB): Das ist falsch. Die state-of-the-art Metaanalyse von Shang et al (2005) sagt: Kein signifikanter Unterschied zwischen Homöopathie und Placebo in den großen und methodisch guten Studien.
PT (FB): Zur Homöopathie: Das Zitat mit dem doppelt so hohen Effekt als Placebo stammt von Edzard Ernst: Praxis Naturheilverfahren. Evidenzbasierte Komplementärmedizin..., Springer 2001, S. 64. Es gibt mehrere einander widersprechende Metanalysen zur Homöopathie. In demselben Jahr der von Ihnen zitierten Studie hat zum Beispiel auch eine von Befürwortern zitierte von Sosie Kasab ((Quelle: „Cochrane Database of Systematic Reviews", 2009, Issue 2, CD004845) (AP)) .
Eine detaillierte Analyse und Bewertung kann so ein Übersichtskasten wie der in GEO nicht leisten. Ich habe aus der Zusammenfassung des der Komplementärmedizin durchaus kritisch gegenüberstehenden Edzard Ernst zitiert (siehe sein Buch Trick or Treatment), der dort auf die Widersprüchlichkeit der Studienlage eingeht. Das gibt völlig korrekt auch die Überschrift von GEO wieder: „Beliebt, aber umstritten".
UB (aktuell): Edzard Ernst beschrieb in seinem "Praxis Naturheilverfahren" (2001) den damaligen Stand, der wiederum auf der damals noch aktuellen Metaanalyse von Linde (1997) beruht, welche ein odds ratio von 2,45 für Homöopathie gegen Placebo angibt. Diese Metaanalyse ist heute längst überholt, was auch von Linde selbst eingestanden wurde. U.a. aus diesem Grund gibt es auch bereits seit 2005 eine Neuauflage von "Praxis Naturheilverfahren", in der das von Ihnen verwendete Zitat nicht mehr vorkommt. Edzard Ernst selbst nennt die 2001er-Auflage seines Werks "hoffnungslos veraltet". Ich vermute, Sie kennen eigentlich den aktuellen Stand der Dinge, weil Sie auch "Trick or Treatment" zitieren, das erst 2008 erschienen ist und den ganzen Sachverhalt detailliert beschreibt.
Sie zitieren also 2011 bewusst (?) den Stand von 1997, als ob in Sachen Homöopathie seither nichts mehr geschehen wäre, und da frage ich mich schon: Warum eigentlich? Vielleicht doch deshalb, weil es Ihnen so besser ins Konzept passt?
Die Arbeit von Kassab et al (2009) wiederum, die Sie anführen, ist nicht, wie Sie behaupten, eine Metaanalyse, sondern ein systematischer Review. Noch dazu - darauf hat auch Michael Horak schon hingewiesen - ist sie dafür bekannt, dass darin lediglich zwei ganz bestimmte Formen von sog. Pseudohomöopathie für eine ganz bestimmte Indikation untersucht wurden. (Ringelblumensalbe gegen Dermatitis? Wenn das Homöopathie wäre, dann müsste nach dem Simile-Prinzip Ringelblumensalbe beim Gesunden einen Hautausschlag hervorrufen!) Als Beleg für "einander widersprechende Metaanalysen" in der Homöopathie ist sie denkbar ungeeignet.
Nocheinmal: Was Homöopathie als Gesamtsystem betrifft, so ist die aktuelle state-of-the-art Metaanalyse Shang et al (2005). Diese Arbeit zu ignorieren und stattdessen mit einem völlig veralteten Zitat zu arbeiten, ist für GEO-Standards ein schwerer journalistischer Patzer.
Dass es mal wieder um Homöopathie geht, ist vielleicht sympthomatisch, aber eigentlich auch schon wieder egal. Für mich hat es was von einem Schulbuchbeispiel dafür, wie wichtig es ist, dass in journalistischen Beiträgen klar wird, woher das Wissen stammt.
Wie letztlich die Aussage auf die überholte Studie in den Artikel gelangte (ob mit Jahreszahl oder ohne) und warum die GEO-Redaktion/Dokumentation das ganze Ding durchgegangen ist, ist noch ein mal eine andere Geschichte, aus der man vielleicht auch noch was lernen kann.
Und schon bin ich wieder weg.
Autor: Marcus Anhäuser· 30.08.11 · 09:57 Uhr· 3 Kommentare
23. Januar 2011
Liebe Telepolis-Redaktion, Entschuldigung abgelehnt ... (Update 25.1.)
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 14
...Mann...
"Wir verstehen es zwar nicht, aber egal, wir bringen es trotzdem mal," so könnte man die eigenartige Erklärung der Telepolis-Redaktion zusammenfassen, mit der sie sich vorab dafür entschuldigt, dass auf Ihren Seiten der "der LHC-könnte-die-Welt-zerstören"-Professor Otto Rössler seine bekannt kruden eigenartigen Thesen verbreiten kann. Im Original liest sich das so:
"Da die Redaktion unschlüssig war, ob wir den Text von Prof. Dr. Otto Rössler veröffentlichen sollen, weil wir nicht wirklich beurteilen können, ob die von ihm gemachten Annahmen plausibel sind ... (...)"
(bitte Update 25.1. lesen, das führt das Ganze dann ad absurdum.)
Das ist ja nett. Kann ich mir das ausborgen? Das erspart mir künftig einiges an Arbeit. Immer dann, wenn ich nicht so richtig verstehe, was ein Wissenschaftler da erklärt (und das passiert einem Wissenschaftsjournalisten immer wieder mal), setze ich einfach einen Disclaimer vor den Artikel, damit die Leser Bescheid wissen:
"Ich verstehe nicht ganz, was er erforscht hat, aber es klingt irgendwie interessant und es hat etwas mit Weltuntergang zu tun, also wollte ich es Ihnen nicht vorenthalten."
Das ist gerade in diesem Fall ja auch ein echter Dienst am Telepolis-Leser. Dann können die nämlich in einigen Jahren, wenn die Erde auf zwei Zentimeter geschrumpft sein wird (O-Ton Rössler), wenigstens sagen: "Mann, die von Telepolis, die hatten den richtigen Riecher. Hätten doch nur mehr damals den Mut gehabt, dem einsamen Rufer in der Wüste Gehör zu verschaffen."
Kommt Jungs. Macht Eure Hausaufgaben, anstatt Euch schon vorher für den Quatsch zu entschuldigen, der dann auf Eurer Seite vezapft wird.
(via Florian).
Update:
Der Autor des ergänzenden Begleitartikels (zu Rösslers Beitrag) findet, er hat einen Fehler gemacht und hat die Telepolis-Redaktion gebeten, seinen Text wieder aus dem Netz zu nehmen, wie er hier bei Florian in den Kommentaren und als E-Mail an mich (in cc) und Florian schreibt.
Update 25.1.:
Wissenschaftsjournalist Harald Zaun hat seinem begleitenden Artikel zu Rösslers Thesen einen zweiten folgen lassen (der erste ist nach wie vor online). Schon die Überschriften verdeutlichen die Verschiebung seiner Sichtweise die unterschiedlich Gewichtung im Artikel:
Beitrag 1: "Das Unmögliche überdenken - warum nicht?!".
Beitrag 2: "Das Doomsday-Szenarium geht nicht von Genf aus."
Im ersten Beitrag gibt es leider noch keinen Hinweis, dass der Autor einen zweiten ergänzenden Beitrag hinzugefügt hat. Vielleicht will die Redaktion ihre Leser nicht zu sehr verwirren.
Seinen ersten Beitrag kommentiert er wie folgt:
"So wollen wir abschließend - sine ira et studio - die Äußerung eines übereifrigen Autoren [er spricht von sich selbst, Anm. von mir], der als Folge eines temporären geistigen Blackouts kürzlich doch glattweg behauptet hatte, dass "jede noch so abstruse Idee" es zunächst einmal verdient habe, "von allen Seiten gründlich durchleuchtet zu werden", tunlichst und schnell ad acta legen. Wir wollen ihm [er spricht von sich selbst] hier nach einigem Überlegen die Stirn bieten und indes damit kontern, dass wohl eher das Gegenteil der Fall sein sollte: Abstruse Ideen sollten vielleicht doch besser dem Papierkorb anvertraut werden. Denn auch Papier ist bisweilen ungeduldig."
Quod erat demonstrandum ...
Autor: Marcus Anhäuser· 23.01.11 · 21:44 Uhr· 14 Kommentare
20. Januar 2011
Bankhofer-Sendung: "... gegen das Schleichwerbeverbot verstoßen" (Nachtrag 5.2.)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 13
Mehrmals hatte der Gesundheitsjournalist Hademar Bankhofer in den letzten Jahren mit dem Vorwurf der Schleichwerbung zu kämpfen. Jetzt rügt erstmals die ZAK einen Sender aufgrund von Schleichwerbung in einer Bankhofer-Sendung.
Autor: Marcus Anhäuser· 20.01.11 · 16:15 Uhr· 13 Kommentare
18. Januar 2011
Die ganz eigene Komik der Lebensmittelindustrie (Nachtrag)
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 38
Apropos Humor. Mein Brüller der Woche war das (nicht nach unten schielen):
Als moderner Mensch ist man ja einiges gewohnt, was die Zusammensetzung von Fertigspeisen angeht. Wir mussten alle lernen was Analogkäse ist (ein Begriff, der gerade in der digitalen Welt eine ganz besondere Ironie in sich trägt. Auch ein Lacher, wenn es nicht so traurig wäre.)
Meinen Lacher der Woche hatte ich, als ich auf den "Beipackzettel" einer gerade verspeisten Portion Tiramisú schaute. Ich konnte gar nicht mehr weiter lesen vor Lachen. Zum Glück hatte ich meinen letzen Löffel der feinen Speise schon heruntergeschluckt, sonst wäre er mir vielleicht im Halse stecken geblieben angesichts der "Zutat", die dort an erster Stelle aufgelistet wurde.
Ich sag' nur:
REKONSTRUIERTES MAGERMILCHPULVER.
Auf der Verpackung sah das so aus:
Dass da keine Milch im eigentlichen Sinne drin ist, das ist klar (wie sind im 21. Jahrhundert, wir sind einiges gewohnt). Also Magermilchpulver. Aber rekonstruiert? Was muss man an "Pulver" rekonstruieren? Liebe Hersteller der Nahrungsmittelindustrie, verzeiht meine Unwissenheit, aber angesichts der Berichte, die man im Laufe der Jahre so gesehen hat, kam bei mir die Frage auf:
"Rekonstruiert? Aus was?"
Ich mag gar nicht näher darüber nachdenken ... Wenn ich einfach mal so ins Blaue phantasiere: Okay, aus Milch wird es wohl nicht rekonstruiert, das wäre ja dann einfach nur Milchpulver. Aus Tierresten? Pflanzenabfall? Altöl? Nein, das würden die nie machen ... ;-)
Die Komik des Begriffes entsteht zum Teil auch aus dem Bezug von "Rekonstruktion" und "Pulver"; bei "Pulver" denke ich an einen Sandhaufen. Was gibt es da zu rekonstruieren. Etwas zu rekonstruieren, klingt nach: kompliziert, technisch raffiniert.
Was kann man rekonstruieren: Ein spätgotisches Gebäude, ein historisches Pergament mit einer unbekannten Schrift, eine Maschine Leonardo Da Vincis ...
Aber ein Pulver ... aus Magermilch?
Ob die vielleicht die molekulare Grundstruktur des Milchpulvers nachbauen oder aus Einzelmolekülen (die sonst woher stammen) durch komplizierte chemische Verfahren zusammensetzen?
Wie auch immer, wahrscheinlich ist es ganz einfach und ich müsste nur in der Wikipedia nachsehen, aber das nähme mir ja den ganzen Spaß.
... rekonstruiertes Magermilchpulver ...
Fertiggerichte entfalten oft ihre ganz eigene bizarre Komik. Natürlich auch im Zusammenhang mit dem üblichen Marketinggeschwätz auf der Vorderseite (aber das ist ja eigentlich ein alter Hut):
"... 100 Jahre alte, original Bologneser Rezeptur ..."
Wie traurig wäre das Leben ohne die Lebensmittelindustrie und ihre Marketingtexter ...
Geschmeckt hat's trotzdem. Und so praktisch ...
Nachtrag (18.1.11):
Ich habe den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer (vom E.U.L.E) per E-Mail gefragt, ob er mir erklären kann, was "rekonstruiertes Magermilchpulver" sein könnte. Wenn man konkret danach sucht gibt es im Deutschen und im Englischen kaum verwertbares. Ist auch kein Wunder, wenn Pollmer Recht hat. Er schreibt:
"Das ist ja lustig. Vermutlich soll das rekonstituiertes Magermilchpulver heißen, also Magermilchpulver plus Wasser. Aber es gibt natürlich auch ein Magermilchpulver, das nicht ganz echt ist und aus allerlei Milchfraktionen zusammengebastelt wird, bis man es vom Original nicht mehr unterscheiden kann. (...) Hier handelt es sich aber offenbar um einen Sprachunfall ..."
Autor: Marcus Anhäuser· 18.01.11 · 08:00 Uhr· 38 Kommentare
17. Januar 2011
Doc Hirschhausens "Homöopathie"
Kategorie: Medizin · Kommentare: 74
Hier auf den Scienceblogs braucht man das Wort Homöopathie nur hauchen und schon bricht ein Sturm der Kommentatoren los und es beginnt wieder von vorne, die Diskussion über potenzierte Kügelchen, Similé-Betrachtungen und der Wahnsinn der dahinter steckt, wenn man nur mal anfängt darüber nachzudenken.
Was dem ganzen fehlt ist eine gewisse Leichtigkeit und eine Prise Humor. Und wenn es um das Thema Medizin geht, gibt es kaum einen besseren, der all das zusammenbringt, als Eckart von Hirschhausen.
Irgendwie führten die verschlungenen Wege des Internets den Comedian auf meinen Blog und es hat ihm hier gefallen. Als kleinen Dank überließ er mir folgende kleine Spitze, die viele kleine Wahrheiten enthält, nicht nur über die Homöopathie.
Freundlicherweise erlaubte er mir auch den Text mit meinen Bloglesern zu teilen. Einige werden ihn vielleicht kennen, aber es lohnt sich, ihn immer mal wieder zu lesen.
Viel Spaß also bei Eckart von Hischhausens Homöopathie-Text (bei dem es auch um Eigenurin geht).
HOMÖOPATHIEAuf Partys sage ich nur sehr ungern, dass ich approbierter Arzt bin. Denn dann setzen zwei Reflexe bei allen Anwesenden ein. Ich höre mir eine halbe Stunde Schauergeschichten über das Versagen der Schulmedizin an, und dann soll ich mal kurz mitkommen und im Bad eine Hautverfärbung nach ihrer Malignität beurteilen.
Auf Partys redet man am besten über Homöopathie und Eigenurin. Damit haben alle immer nur gute Erfahrungen. Wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, darf nicht mitreden. Stiftung Warentest hat gerade das Buch: Die Andere Medizin herausgegeben, und beiden Verfahren erneut die Wirksamkeit abgesprochen.
Ich mache mir aber keine grossen Illusionen darüber, dass die ständige wissenschaftliche Widerlegung vieler komplementärer Verfahren irgendetwas an ihrer Popularität ändert. Was Dieter Bohlen für die Unterhaltungsindustrie, sind die Globuli für den Gesundheitsmarkt - nicht wegzudiskutieren. Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg.
Medizin ist in weiten Teilen bis heute keine Wissenschaft sondern Unterhaltungsindustrie. Kunst. Heilkunst. Die Kunst, dem Patienten die Zeit zu vertreiben, die der Körper braucht, um sich selbst zu helfen!
Das Wirksame an der Homöopathie ist die unverdünnte Sympathie. Jemand hört dir über Stunden aufmerksam zu, stellt Fragen, gibt dir wieder Hoffnung, Anweisungen und Struktur für dein Leben. Alles sehr wirksam, und das hört man heutzutage lieber vom Heilpraktiker als vom Therapeuten oder Pfarrer. Hochgiftiges wie Arsen, Bienengift oder Brechwurzeln wird solange verschüttelt bis nichts mehr davon im Wasser enthalten ist. Keine Chemie, kein Äba, keine Pharmaindustrie. Nichts was irgendwie Nebenwirkungen haben könnte. Das Wasser erinnert sich, womit es mal Kontakt hatte. Komisch - mein Kopf besteht zu über neunzig Prozent aus Wasser, und ich weiß oft schon am nächsten Tag nicht mehr, mit wem ich alles Kontakt hatte.
Zur Einnahme gibt es weitere selbsterfüllende Prophezeiungen: Werden die Beschwerden schlechter zeigt es, das Mittel schlägt an, wird es besser ist es auch das Mittel, und wenn sich über Wochen nichts tut - liegt es am Amalgam. Wer heilt hat recht, tut aber gut daran, das Rechtbehaltens vorher weitläufig auszulegen. Du bekommst etwas sehr Individuelles, DEIN Mittel, es ist nichts drin was schaden kann, denn dieses Millionstel ist alle Information, die dein Körper jetzt braucht.
Ich hab es tatsächlich für mich mal getestet. Es hat funktioniert. Und letzten Endes ist es mir egal, ob es an den Globuli lag oder an den hohen Dosen Mitgefühl. Als die Rechnung über zweihundert Euro kam, hab ich auch gleich bezahlt. Zwei Cent. Und dem Behandler erklärt. „Nach allem, was ich durch Sie gelernt habe, ist dies alle Information die Ihr Portemonaie gerade braucht!"
Und wenn ihr Arzt darüber lachen kann, dann bleiben sie bei dem. Wenn nicht - schnell verdünnisieren!
Anderer Fall: Eigenurin. Ich respektiere die Weisheit des Körpers. Wenn die Nieren etwas ausscheiden wollen, dann glaub ich ihnen das. Die filtern 180 Liter Blut jeden Tag, um alle Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen. Und dann kommt jemand daher und sagt - booh. Was für ein besonderer Saft. Lass uns den oben wieder reinkippen. Anatomisch nicht korrekt - aber ich glaube, auch Nieren fühlen sich manchmal verarscht. Aber könnte man nicht das Verdünnen der Homöopathen UND den Eigenurin gleichzeitig anwenden? Ja, es geht. Im Schwimmbad! Kinder machen das intuitiv. Jetzt warte ich nur noch drauf, dass die Kasse das bezahlt.
Danke, Doc ... :-)
Nachtrag (ich Schlunz):
"Aus: Eckart v. Hirschhausen. "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben." Rowohlt. Mit freundlicher Genehmigung des Autors"

Autor: Marcus Anhäuser· 17.01.11 · 09:05 Uhr· 74 Kommentare
04. Januar 2011
Der dilettantische Versuch die partielle Sonnenfinsternis zu filmen (Nachtrag)
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 11
Ich wollte die Sonnenfinsternis sehen, aber direkt in die Sonne zu schauen, haut einem die Augen weg. Eine spezielle Brille, die ich 1999 noch hatte, habe ich nicht mehr. Da fiel mir spontan ein, das ich mal in einer diese Kinderwissenssendungen gesehen habe, dass man nur einen Pappdeckel braucht und eine weiße Fläche, mit der man den Vorgang sichtbar machen kann, ohne sich die Augen zu verbrennen.
Also schnell einen Pappdeckel besorgt, kleines Loch reingebohrt und ein weißes Papier als Auffangschirm, und siehe da, es funktioniert.
Und da ich der Menschheit natürlich von dieser Großtat berichten wollte (und ich fühle mich wie Tom Hanks auf der einsamen Insel, der stolz um sein selbstgemachtes Feuer tanzt und schreit: "Seht her, was für ein Feuer.") und auch zeigen wollte wie einfach das geht, musste das ganze natürlich spontan auch noch aufgenommen werden. Das Aufnehmen war fast noch problematischer als das Erstellen der Lochkamera (diesbezüglich hätte ich gestern natürlich auch mal bei Florian vorbei schauen können). Ich habe ja nur zwei Hände, mit denen ich eigentlich das Papier und den Pappdeckel halten wollte. Also kurzerhand das weiße Papier in die Kühlschranktür geklemmt und einfach mit der iPhone-Kamera draufgehalten. Hier ist der erste Versuch, etwa um 9:30 Uhr aufgenommen.
Leider ist die Auflösung nicht ganz so toll, aber sonst dauert der Upload zu lange.
Eventuell baue ich weitere Aufnahmen später noch ein.
Viel Spaß erstmal damit ...
(Manchmal beschleicht mich zwar ein ganz leichter Zweifel, ob das wirklich die Sonnenfinsternis ist ... aber lasst mich jetzt einfach mal in dem Glauben.)
Nachtrag:
Hier noch ein zweiter Versuch, diesmal mit zwei Löchern und einem Versprecher
(als Printjournalist ist man das freie, spontane Sprechen ja nicht so gewohnt).
In dieser Version ist die Sichel etwas besser zu sehen, und natürlich doppelt.
Autor: Marcus Anhäuser· 04.01.11 · 11:43 Uhr· 11 Kommentare
14. Dezember 2010
Wenn Nestlé und L'Oreal mal was zusammen machen ...
Kategorie: Medizin · Kommentare: 8
... dann find' ich das natürlich besonders interessant. Irgendwie habe ich das Gefühl, die könnten hier mit ihrer Apotheken-Produktreihe innéov Stammgast werden, bei so vielen Produkten, die die anbieten (und das wohl schon seit 2008):
Für Männer gibt's auch was, natürlich.
Was kommt wohl dabei raus, wenn einer der größten Nahrungsmittelhersteller und einer der größten Kosmetikhersteller sich zusammentun: Schönheit zum Essen. Und da das Schönheitsmarketing immer häufiger in Richtung Medizin abdriftet, kommt dabei natürlich kein Müsliriegel heraus, der einen schön macht, sondern: Tabletten und Kapseln.
(Von daher wäre statt "Schönheit zum Essen", "Schönheit zum Einwerfen" wohl treffender.)
Das Prinzip ist immer dasselbe: Täglich eine bzw. zwei Kapseln oder Tabletten oder beides schlucken (zur Abwechslung auch mal ein Pulver), die je nach Produkt einen Mix aus den üblichen Verdächtigen der Nahrungsergänzungsallzweckmittel enthält:
Vitamin Dingsbums, Soja-Isoflavone, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Traubenkern-Irgendwas, Grüntee, Polyphenole, Phytosterole, Glucosamin, Calcium, Magnesium usw. usw.
Es ist die ganze Pracht der Herrlichkeit.
Damit kann man alles bekämpfen, was einem das lange Leben so schwer macht:
Haarausfall, Cellulite, schlaffe, alte Haut, Pickel, Mitesser, dicke Beine, empfindliche Haut, trockene Haut, Schuppen
Aufmerksam wurde ich auf die Reihe durch eine ganzseitige Anzeige im aktuellen stern, für ein Produkt, das zumindest in der Anzeige lediglich so heißt wie die gesamte Produktreihe - innéov - laut östereichischer PM aber eigentlich "innéov Gesundes Haar SD" heißt. Das besondere dieses Nahungsergänzungsmittels ist das "Probiotikum ST 11" (warum ich da an Jod-S 11-Körnchen denke, weiß ich jetzt auch nicht ...)
Der entscheidende Satz, bei dem sich Nestlé und L'Oreal nun wirklich aus dem Fenster lehnen, lautet:
ST11 hat seine Wirksamkeit in einer klinischen Studie bewiesen. Die Ergebnisse belegen die signifikante Wirkung² von ST11 sowohl gegen lose und haftende Schuppen¹ als auch gegen Irritationen und Juckreiz.
Das ist doch mal eine Ansage: "Wirksamkeit in einer klinischen Studie bewiesen."
Als Beweis dient (darauf bezieht sich die hochgestellte 2) "eine Doppelblindstudie unter dermatologischer Kontrolle, 8 Wochen, 58 Probanden mit mäßigem bis starkem Schuppenbefall."
uhh, doppelblind ...
Mhm (zu den anderen Produkten habe ich da bisher nichts gefunden)
Ich habe das mal angefordert.
Das könnte der Beginn einer ....
Im stern sieht das übrigens so aus:
Autor: Marcus Anhäuser· 14.12.10 · 09:15 Uhr· 8 Kommentare
26. November 2010
Asse und der Krebs: Hatte niemand beim NDR die Chuzpe 'Nein' zu sagen?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 32
Ich sollte das nicht tun. Meinen Ärger über den NDR verbloggen. Aber irgendwo muss er hin der Ärger, mit dieser Meldung über die Krebsfälle und die Asse.
Lieber NDR, lass' sie doch bitte sein, diese Asse-Meldung. Lösch sie einfach, diese Meldung über Asse und die Krebsfälle, in der Dinge drin stehen wie:
"Nach Angaben des Niedersächsischen Sozialministeriums gegenüber dem NDR Regionalmagazin "Hallo Niedersachsen" liegt bei Männern die Zahl der Neuerkrankungen im Untersuchungszeitraum bei zwölf - statistisch erwartbar wären 5,2. Die Erkrankungsratefür Schilddrüsenkrebs bei Frauen hat sich laut der Untersuchung des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) sogar verdreifacht. Die Erkrankungshäufigkeit für Leukämien bei Frauen ist ebenfalls erhöht, allerdings nicht signifikant (...)
Oder ein solcher Bilduntertitel:
"Rund um das ehemalige Bergwerk Asse gibt es eine deutliche Zunahme von Krebserkrankungen."
Diese ganze andere hin und her, wer was sagte ("nicht gefährlich", "doch gefährlich"),auf das will ich gar nicht eingehen.
Warum habt ihr das gemacht? Hättet ihr nicht noch ein bisschen warten können? Bis man mehr weiß, außer diesen nackten Zahlen, die rein gar nichts besagen?
Zum Glück gibt es Kollegen, die es blicken.
Heute mittag etwa erklärte Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich beim DLF:
"Man weiß nicht, waren es Mitarbeiter der Asse, die jetzt beispielsweise bei den Männern in die Statistik reinschlagen. Es ging 2009 durch die Presse, dass mehrere Mitarbeiter der Asse an Krebs erkrankt sind. Fallen die jetzt darunter? Wann sind sie an Krebs erkrankt? Was sind das für Krebse? Das muss man dann alles einmal genau anschauen. Auf der anderen Seite ist es so, wenn man sich jetzt den Jahresbericht anschaut von 2002, 2005 oder jetzt den jüngsten, 2006, 2007, dann stellt man plötzlich fest, dass andere Landkreise durchaus auch bei diesen Leukämien oder Schilddrüsenkrebsen im früheren Zeitraum höhere Fälle haben, höhere Neuerkrankungen haben als Wolfenbüttel beziehungsweise dieser gesamte Landkreis in dieser Gegend."
Oder:
"Es kann Zufall sein. Die Erkrankungen sind ja da, aber es kann ein statistischer Effekt sein - das ist immer möglich bei der einen Sache - und es kann sein, dass Leute zugezogen sind. Man weiß nicht, waren es starke Raucher, wie sind die Lebensumstände. Das sind alles Sachen, die geklärt werden müssen, um so eine Medizinstatistik wirklich sauber zu führen. Das ist sehr aufwendig und man muss viele verschiedene Risiken betrachten."
Heute Abend hat es dann Markus Becker von Spiegel Online auf seine gewohnt direkte Art geschrieben:
"Was diese Zahlen über eine erhöhte Krebsgefahr durch das Atommülllager aussagen? Rein gar nichts."
Zur Ergänzung hat er die Zahlen schön anschaulich nochmal erklärt, und das klingt mit dem verdreifachten Risiko bei Frauen und Schilddrüsenkrebs gar nicht mehr so dramatisch (für die Frauen ist das dramatisch, aber der reine Zahlenanstieg ist es nicht):
"Demnach erkrankten unter den rund 10.000 Bewohnern der Samtgemeinde Asse - die aus sieben Einzelgemeinden besteht - von 2002 bis 2009 insgesamt 18 Menschen an Leukämie, darunter zwölf Männer und sechs Frauen. Gemessen am bundesweiten Durchschnitt seien aber nur acht Fälle zu erwarten gewesen, teilte das niedersächsische Sozialministerium mit. Das Risiko für Frauen, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, sei gar um das Dreifache erhöht gewesen: Zehn Frauen seien betroffen gewesen, obwohl es statistisch nur 3,3 hätten sein sollen."
Einerseits gilt dies:
"Zudem sei die Zahl der Krebsfälle in der Asse-Region so gering, dass schon die zufällige Abweichung vom bundesweiten Durchschnitt eine prozentual deutliche Steigerung verursachen könne, erklärt Krebsexperte Becker."
Außerdem gilt das:
"Die Daten des EKN sind vollständig anonymisiert. Und sie enthalten lediglich das Geschlecht der Krebspatienten. Der genaue Wohnort - der für die Abschätzung eines strahlenbedingten Krebsrisikos wichtig wäre - fehlt. Das gleiche gilt für andere Faktoren, die für das individuelle Krebsrisiko eine entscheidende Rolle spielen, wie etwa der Beruf und das Alter der Betroffenen. Aus den Daten ist nicht einmal ersichtlich, ob die Patienten direkt im Atommülllager gearbeitet haben oder nicht."
Aber der NDR hat's erstmal rausgehauen, dann den üblichen Stimmenwirrwarr dazu eingefangen (Ausgewogenheit ist wichtig) - und die Aufmerksamkeit ist dem Sender gewiss. Was für ein Scoop.
Dabei gilt doch das:
"So etwas muss man vorher prüfen, bevor man mit solchen Zahlen an die Öffentlichkeit geht", kritisiert Nikolaus Becker, der am Deutschen Krebsforschungszentrum das epidemiologische Krebsregister von Baden-Württemberg leitet.
Fettung von mir. NDR. Mann. VORHER.
Es hätte doch auch jemand "Nein." sagen können. "Nein, das bringen wir noch nicht, weil es viel zu früh dazu ist. Weil wir zu wenige Informationen haben. Weil wir die Leute vielleicht unnötig verängstigen. Deshalb bringen wir es (jetzt) nicht. Lasst uns abwarten, bis wir mehr wissen."
Hatte keiner die Chuzpe?
Autor: Marcus Anhäuser· 26.11.10 · 20:58 Uhr· 32 Kommentare
27. September 2010
Was ist der Unterschied zwischen der Wirkung Wirksamkeit und dem Nutzen eines Medikaments?
Kategorie: Medizin · Kommentare: 177
Das bringen Menschen immer wieder durcheinander oder sie setzen es gleich. Die Wirkung Wirksamkeit eines Medikaments und sein Nutzen. Gerade zu lehrbuchmäßig hat es jetzt Markus Grill auf Spiegel Online erklärt:
"Wenn ein neues Medikament auf den Markt kommt, unterscheiden Mediziner zwischen Wirksamkeit und Nutzen. Ein Cholesterinsenker zum Beispiel ist dann wirksam, wenn er die Blutfettwerte senkt und seine Nebenwirkungen sich in Grenzen halten.Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird das neue Medikament zugelassen. Der Nutzen dagegen zeigt sich oft erst später: Er tritt dann zutage, wenn Patienten tatsächlich weniger Herzinfarkte oder Schlaganfälle bekommen als ohne das Präparat - oder wenn sie schlicht länger leben.
Doch der Zusammenhang zwischen Wirksamkeit und Nutzen existiert häufig gar nicht. Manchmal verbessern sich zwar Cholesterinwerte, Blutdruck oder das Wachstums eines Tumors wird gebremst - den Patienten geht es aber trotzdem nicht besser. Sie leben nicht länger, sie bekommen genauso häufig Herzinfarkte oder Schlaganfälle wie ohne das Präparat. Es haben sich also nur die messbaren Werte geändert - sonst nichts. Solche Präparate verfügen über keinen "patientenrelevanten Nutzen", wie die Fachleute sagen.
Pharmakonzerne stellen dagegen gern die Wirksamkeit ihrer Pillen in den Vordergrund, die Nutzendebatte mögen sie nicht besonders. Hintergrund: Unabhängige Wissenschaftler entdecken häufig, dass viele angebliche Neuheiten zwar im Körper wirken, aber keinen Vorteil gegenüber bisherigen Präparaten haben. Es handelt sich also um "Scheininnovationen"."
D.h. ein Arzneimittel kann wirken, zugelassen sein, aber es nützt nichts.
Des weiteren berichtet Grill von der Unmöglichkeit einen nicht vorhandenen Nutzen eines Medikaments zu beweisen und warum das aber künftig trotzdem gefordert ist, wenn es um die Zulassung eines Medikaments geht und welche Rolle dabei die Pharmalobby spielt.
Autor: Marcus Anhäuser· 27.09.10 · 15:24 Uhr· 177 Kommentare
22. September 2010
Zwei-Klassen-Medizin gibt's, ja, aber vielleicht auch nicht, weil ...
Kategorie: Medizin · Kommentare: 47
Im aktuellen Bundesgesundheitsblatt gibt es eine Übersichtsarbeit (hier als pdf, jetzt nicht mehr) zur Lage der Krankenversicherten. Zwei Gesundheitsforscher haben sich Studien angesehen, in denen gesetzlich Versicherte mit privat Versicherten verglichen werden. Es geht um Fragen wie: Wer wird besser oder schlechter behandelt? Wer muss länger warten? Wer bekommt welche Medikamente? Kurz: Wer ist besser versorgt?
Journalistisch zugespitzt lautet die Frage: Gibt es in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin, die dazu führt, das Menschen, die privat versichert sind, auch besser versorgt sind?
Die Antwort der Autoren dieser Arbeit erscheint erst einmal eindeutig, insofern, dass es offenbar klare Unterschiede gibt:
PKV-Versicherte erhalten häufiger innovative, patentgeschützte Medikamente und seltener Generika, sie müssen nicht so lange auf einen Arzttermin warten, sie gehen seltener zu einem praktischen Arzt (beziehungsweise Arzt für Allgemeinmedizin), sie werden bei Organtransplantationen offenbar bevorzugt, sie können Zuzahlungen finanziell besser verkraften, und sie fühlen sich vom Arzt besser verstanden.
Dass GKV-Versicherte schon irgendwie im Nachteil sind, darauf weisen auch Aussagen hin wie:
(...) weisen alle Studien übereinstimmend darauf hin, dass die GKV- Versicherten zumeist kränker sind als die PKV-Versicherten.(...)(...) Eine Benachteiligung der GKV-Versicherten deutet sich zum Beispiel bei Organ-Transplantationen an, bei der finanziellen Belastung durch Zuzahlungen, bei den Wartezeiten und beim Eingehen des Arztes auf den Patienten. (...)
(...) Offenbar erhalten PKV-Versicherte in der ambulanten Versorgung (...) in der Regel häufiger einen kurzfristigen Termin beim Arzt als GKV-Versicherte. (...)
(...) Es ist daher kaum erstaunlich, dass PKV-Versicherte bevorzugt behandelt werden. (...)
Klingt irgendwie schon nach Zwei-Klassen-Medizin.
Nur, all die schönen Ergebnisse sind nur bedingt das Papier wert, auf dem sie veröffentlicht wurden (oder müsste man inzwischen 'pdf' statt 'Papier' schreiben?), denn:
"Streng genommen, handelt es sich hier zumeist um Hypothesen, die in weiteren Studien noch eingehender überprüft werden sollten. (...) Methodische Schwächen zeigen sich vor allem bei elf der insgesamt 18 Untersuchungen, da bei ihnen keine statistische Kontrolle weiterer Variablen wie Alter, Geschlecht und Einkommen vorgenommen wurde. Zwar liegen bei fünf dieser Arbeiten Daten zu möglichen „Störfaktoren" vor, dennoch wenden die Autoren kein multivariates Analyseverfahren an. Auch werden nur in einer der elf Studien statistische Tests zur Kontrolle von Zufallsfehlern angewendet."
Auf Deutsch: Ein Großteil der Forscher hat Daten gesammelt, sie schön zusammengestellt und geschaut, ob sie irgendwelche Muster finden ("bei PKVlern ist das so", "bei GKVlern ist das so") und waren zufrieden.
Ob es sich dabei aber um echte Muster und Zusammenhänge handelt, haben sie in den meisten Fällen gar nicht überprüft.
Sind Menschen in der GKV meist kränker als Menschen in der PKV, weil sie in der GKV sind (und vielleicht schlechter versorgt?) oder liegt es daran, dass sie im Durchschnitt älter sind oder ein geringeres Einkommen haben und PKVler eine höhere Bildung haben und sich gesundheitsbewusster verhalten? (das sind sog. "Confounder" oder "Störfaktoren", also Faktoren, die man berücksichtigen muss, wenn man ein Ergebnis bekommt, weil sie vielleicht die eigentliche Ursache für dieses Ergebnis sind).
So genau kann man das wohl nicht sagen, weil einige Forscher sich scheuen ihre aufgespürten Muster mit statistischen Verfahren gegen zu checken (und damit Gefahr laufen, dass sich das schöne Ergebnis in Luft auflöst).
Einschub: Ein paar Forscher haben das gemacht und es lösen sich nicht alle Unterschiede auf, was darauf hinweist, dass es tatsächlich Unterschiede gibt. Z.B. bestätigt sich die Beobachtung, dass GKVler länger beim Arzt warten müssen und häufiger Generika bekommen, während PKVler eher "innovative, patentgeschütze Medikamente" bekommen. Ob das mit den Generika letztlich ein so erheblicher Nachteil ist, der sich das auf ihre Gesundheit und letztlich ihre Sterblichkeit auswirkt, ist allerdings fraglich, weil wir ja wissen, das neu und innovativ nicht immer besser ist).
Ich finde das ärgerlich mit der fehlenden statistischen Analyse. Als ob ein beträchtlicher Teil der Forscher immer nur die Hälfte der Arbeit gemacht hätte.
Die Bayern sagen: g'schlampert.
Damit liefern sie Stoff für Phantomdebatten über Phantomergebnisse, weil die präsentierten Ergebnisse möglicherweise nur in der Datensammlung vorhanden sind und nicht in der Realität.
Aber warum ist das so? Unvermögen, mangelnde Ausbildung, Absicht? Keine Ahnung. Wahrscheinlich wie immer von jedem ein bisschen.
Wer kann's mir erklären?
Wie soll man eine vernünftige Debatte führen, wenn die Ergebnisse auf so wackligen Füßen stehen?
Ich habe eine der Autorinnen angeschrieben, und sie gefragt, ob sie eine Erklärung dafür hat.
Disclaimer: Ich bin gesetzlich versichert und hege eine gewisse Sympathie für dieses System im Gegensatz zum privat versicherten System.
Autor: Marcus Anhäuser· 22.09.10 · 09:55 Uhr· 47 Kommentare
25. August 2010
Sarrazin baut sich die Statistik selbst
Kategorie: Politik · Kommentare: 351
Ich bin immer ganz sprachlos, wenn ich Dinge lese, die Herr Sarrazin so behauptet. Da geht es viel um Statistiken. 40 Prozent der Türken tun dies, 90 Prozent der Muslime tun das oder auch nicht, usw.usw. Ich will den Mist gar nicht wiederholen. Und da Statistiken ja Teil des täglichen Jobs eines Wissenschaftsjournalisten sind (auch wenn wir immer nur die Hälfte verstehen, während wir uns für die andere Hälfte jemanden jemanden suchen müssen, der es uns erklärt, was nicht schlimm ist, denn so geht es uns mit jedem Thema, und Leute suchen und finde ist ebenfalls Teil unseres Jobs), also weil wir viel mit Statistiken zu tun haben, lautet meine erste Frage immer:
"Woher weiß der das?"
Innerlich drängt es mich die Aussagen mal zu sammeln und gegenzuchecken. Natürlich ist das für mich, der ich nicht so bewandert bin in "gute Quellen für Einwandererstatistiken usw.", etwas aufwändig, und angesichts des Arbeitsberges auf meinem Schreibtisch hier derzeit, kommt halt ständig was dazwischen. Dann gibt es aber zum Glück Leute wie etwa Wolfgang Lieb, der in seinem Beitrag auf den NachDenkSeiten schon einiges zum zerpflücken Sarrazins beigetragen hat.
Den Besten und zugleich erschütterndsten Beitrag zur Demontage des Herrn Sarrazin hat allerdings Herr Sarrazin selbst geleistet. Und ich kann mir die Mühe dann auch gleich sparen seine Statistiken gegenzuchecken, prima.
Auf der Online-Seite des SZ-Magazins berichtet Tobias Kniebe nämlich, was Herr Sarrazin zum Thema Statistik zu sagen hat:
Es ging um die Frage, woher Sarrazins viel zitierte, im Brustton der Faktizität vorgetragene Behauptung eigentlich kommt, dass siebzig Prozent der türkischen und neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung Berlins den Staat ablehnten und in großen Teilen weder integrationswillig noch integrationsfähig seien. Sarrazin gab zu, dass er keinerlei Statistiken dazu habe. Er gab zu, dass es solche Statistiken auch gar nicht gibt.Bisher hat schlichtweg kein Meinungsforscher der türkischen und arabischen Bevölkerung Berlins diese Frage gestellt. Thilo Sarrazin behauptet also etwas, von dem er schlicht und einfach nichts weiß. Wenn man aber keine Zahl hat, erklärte Sarrazin dem Reporter weiter, muss »man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch«. Danke dafür. Hier zeigt das, was wir derzeit »Debatte« nennen, wenigstens einmal seine erschreckende Fratze.
Es geht darum, schwachsinnige, ideologische, gefährliche Pseudofakten in die Welt zu setzen und irgendjemand anderem die mühsame und kostspielige Arbeit zu überlassen, den Schwachsinn faktisch und wissenschaftlich zu widerlegen. Was natürlich unmöglich ist.
Kniebe findet das gewissenlos.
.... ja, ist das. (Den Rest behalte ich für mich).
(via @saschalobo)
Nachtrag 2.9. (wg. Krankheit so spät):
In den Kommentaren wird erklärt, woher das Zitat stammt, auf das sich Kniebe bezieht:
Das im Blogpost zitierte Interview findet sich der Süddeutschen Zeitung vom 1.3.2010 auf Seite 3.
Autor war Stefan Klein.
Autor: Marcus Anhäuser· 25.08.10 · 20:09 Uhr· 351 Kommentare
18. August 2010
Wer ist Jürgen Windeler?
Kategorie: Medizin · Kommentare: 12
Kurzer Lesetipp zu einem lesenswerten Artikel in der taz von Heike Haarhoff über den künftigen Chef des IQWiG Jürgen Windeler. Der Titel gibt die Richtung vor: Der Patientenfreund.
Zwei kurze Auszüge aus dem Beitrag: Windeler hatte ja angekündigt, dass er künftig auch den Nutzen von Medizinprodukten überprüfen lassen will. Das verspricht spannend zu werden:
"Anfang des Sommers ließ er in ersten Interviews durchklingen, er wolle die Nutzenbewertung von Medizinprodukten künftig stärker in den öffentlichen Fokus rücken. Denn im Bereich der künstlichen Gelenke, Implantate und Geräte gebe es, anders als bei den Arzneimitteln, bislang nicht einmal gesetzliche Zulassungsverfahren. Es war eine Frage von Stunden, bis er sich wahlweise auf Deutsch oder Englisch einen Vorgeschmack holen konnte auf die Wucht, mit der die Industrie solche scheinbar harmlosen Äußerungen pariert. Der "Falschaussage" wurde er geziehen, in Pressemitteilungen, in einem Leserbrief, gedruckt in knapper Millionenauflage. (...)Die harsche Kritik der Industrieverbände? "Ich stelle fest, dass meine Äußerungen angekommen sind", sagt er freundlich. "Dann kann man sich ansehen, was die Kritiker schreiben. Und dann muss man feststellen, dass sie Recht haben mit dem, was sie schreiben. Sie schreiben nämlich, dass es für Medizinprodukte doch selbstverständlich eine gesetzlich geregelte Überprüfung der Sicherheit gibt. Das war aber nicht meine Aussage. Meine Aussage war ..."
Er duldet jetzt keine Unterbrechung, er hat hier etwas mitzuteilen, also: "Meine Aussage war, es gibt keine Zulassung, schon gar nicht wie bei Arzneimitteln. Und genauso richtig bleibt meine Aussage, dass es für Medizinprodukte eben auch nicht als Zugangsvoraussetzung einen Wirksamkeits-, geschweige denn einen Nutzennachweis gibt. Deswegen ist es erlaubt, darauf hinzuweisen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird."
Zum Thema Solidarität im Gesundheitssystem hat er eine angenehm klare Haltung:
Professor Windeler, was ist ein gerechtes Gesundheitssystem?"Jeder im Gesundheitssystem muss eine gesundheitliche Versorgung nach seinem Bedarf bekommen, und zwar unabhängig davon, ob er für seine Erkrankung irgendeine sogenannte Schuld trägt oder nicht."
Sogar die Raucher?
"Ich habe ein Herz für Raucher, weil sie natürlich die Freiheit haben, und ich meine die Freiheit haben müssen, sich zu schaden. Ich finde nicht, dass das Konsequenzen für eine gerechte, solidarisch finanzierte Versorgung haben sollte."
Autor: Marcus Anhäuser· 18.08.10 · 11:30 Uhr· 12 Kommentare
24. Juli 2010
Lesetipp: Das Placebo in der Medizin (Nachtrag)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 25
Weil wir gerade vom Placebo sprachen, diesem Ding, dass so viel verspricht, aber vielleicht gar nicht so viel halten kann. Wer sich ins Thema einlesen will, dem empfehle ich eine aktuelle Veröffentlichung der Bundesärztekammer.
Die hat im März eine Stellungnahme zum Thema "Placebo in der Medizin" herausgegeben. Bei einer Organisation wie der Bundesärztekammer fällt eine 'Stellungnahme' gerne mal etwas länger aus. Das ist in dem Fall erfreulich, denn auf diese Weise erhält man eine 150-seitige Abhandlung zum Thema, das auf dem aktuellen Stand der Forschung ist:
"(...) hat der Vorstand der Bundesärztekammer den Wissenschaftlichen Beirat im Juli 2007 damit beauftragt, einen Arbeitskreis „Placebo" einzurichten. Nach knapp zweijähriger Arbeit einer interdisziplinär zusammengesetzten Expertengruppe liegt nun eine umfassende Stellungnahme vor, die beide Bereiche des Einsatzes von Placebo, Klinische Studien, und alltägliche therapeutische Praxis, gleichermaßen berücksichtigt."
Besonders praktisch finde ich das Glossar und eine Tabelle, in der einzelnen Begriffe wie 'reines Placebo' oder 'Nocebo' noch mal ganz kurz erklärt werden.
Hilfreich ist auch der Literaturüberblick, der zu jedem Kapitel mehrere Seiten umfassen kann. Praktischer wäre es allerdings gewesen, die einzelnen Titel auch zu verlinken.
Wer sich, in deutsch, ins Thema einlesen will, für den ist die Stellungnahme der Bundesärztekammer 'Placebo in der Medizin' sicher ein guter Einstieg.
Dass die Autoren eines so offiziellen Dokumentes durchaus auch über den Tellerrand geschaut haben, beweist zumindest der Einstieg in das Dokument, das mit einem Auszug aus einem Platon-Text beginnt (gefolgt von einem Dialog aus Donizettis Liebestrank):
"Doch als er mich fragte, ob ich das Mittel wider das Kopfweh wisse, antwortete ich nicht ohne Mühe, ich wisse es. Worin besteht es nun? fuhr Charmides fort. Und ich erwiderte, daß es ein Blatt sei, zu dem Mittel aber noch ein Spruch gehöre, und daß, wenn jemand diesen spreche, beim Gebrauch von jenem das Mittel durchaus gesund mache; ohne den Spruch aber sei das Blatt nichts nütze."Platon, Charmides 155C/156A, übersetzt von L. Georgii
(via GWUP)
Nachtrag:
Im Ärzteblatt gibt es ein Interview mit Robert Jütte, Vorstand des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer. Er ist übrigens kein Mediziner, sondern Professor für Medizingeschichte.
(via Stationäre Aufname)
Autor: Marcus Anhäuser· 24.07.10 · 09:47 Uhr· 25 Kommentare
21. Juli 2010
Bei Tieren gibt es (k)einen Placeboeffekt (Update 6.2.10)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 237
Das ist jetzt fast ein bisschen dreist und ich hoffe, Kollege Winfried Köppelle vom Laborjournal sieht mir das nach und erkennt den guten Kern darin. Ich ziehe hier mal einen seiner Kommentare nach vorne, der die Frage beantwortet, ob es bei Tieren einen Placeboeffekt gibt ...
Autor: Marcus Anhäuser· 21.07.10 · 14:43 Uhr· 237 Kommentare
16. Juli 2010
Die ICE-Klimakatastrophe (Nachtrag 21.7.)
Kategorie: Technik · Kommentare: 26
Als ich hörte, dass die Klimaanlagen der alten ICEs nur bis 32 Grad ausgelegt sind, dachte ich spontan, aber auch halb im Scherz: "Na, das ist doch mal ein Beleg für den Klimawandel. Zeigt sich sogar in den technischen Auslegungen der ICE-Klimaanlagen."
Weil ich den Gedanken irgendwie interessant fand, erwähnte ich ihn irgendwie halb lustig aufgelegt gestern in den Kommentaren bei Jörg Friedrich, der sich Gedanken zum ICE-Klimanlagen-Problem machte.
Eben im Interview beim DLF höre ich dann den Bahn Chef Grube Folgendes sagen (Fettung von mir):
Grube: Wir betreiben 255 ICE-Züge, die unterschiedlich, was die Zeit beziehungsweise das Jahr betrifft, wo sie zugelassen worden sind, im Einsatz sind. Insgesamt haben wir 255 Züge. Der ICE 1 beispielsweise aus den Anfängen der 90er-Jahre ist zugelassen bei der Klimaanlage von Minus 20 bis Plus 32 Grad. Der ICE 2, der '95 in Betrieb gegangen ist mit 44 Fahrzeugen, hat auch bei der Klimatemperatur Plus 32 bis Minus 20 Grad. Das heißt nicht, dass sie nicht darüber auch noch arbeiten, aber das ist die genormte regelkonforme Auslegung. Aber bereits der ICE 3 ist schon auf 35 Grad ausgelegt. Der ICE 3, der im nächsten Jahr kommt, ist schon auf 40 Grad ausgelegt. Und der Zug - darf ich das noch ganz kurz sagen -, den wir dann ab 2014 bestellen, ist bereits auf 45 Grad ausgelegt. Sie sehen: wir haben einen Klimawandel, der sich ganz klar reflektiert auch in den Gesetzen, denn es ist ja nicht so, dass die Deutsche Bahn die Normen für eine Klimaanlage festlegt, sondern ...Meurer: Aber der Klimawandel ist jetzt nicht Schuld gewesen?
Grube: Wir beobachten, wir haben natürlich jetzt auch im Zusammenhang mit der Klimaanlage die Wettersituation analysiert und dabei festgestellt, in 20 Jahren gab es fünf Tage, die wärmer als 37 Grad waren, und davon waren allein drei Tage am letzten Wochenende.
Ihr könnte Euch meine Verwunderung vorstellen. Allerdings: Könnte es sein, dass man Anfang der 90er Jahre (oder als die Normen für Klimanlagen in Zügen festgelegt wurden) das Thema hohe Temperaturen im Sommer noch nicht so ernst genommen hat? (Was ich gar nicht so unverständlich fände ...)
Ist die ICE-Klimakatastrophe vielleicht tatsächlich ein weiterer Beleg für den Klimawandel?
Müsste es dazu nicht Vergleiche aus anderen Ländern geben? Wie waren da die Normen? Hat es vergleichbare Fälle gegeben?
Nachtrag:
Es wäre dann mal interessant nachzuschauen, ob sich auch in anderen technischen Bereichen Normen bezüglich Höchsttemperaturen verschoben haben (wenn das bei der Bahn tatsächlich so ist). Oder ob es in anderen technischen Bereichen auch inzwischen Probleme gibt, weil sie noch für nicht so heiße Tage ausgelegt wurden.
Nachtrag:
Auf Sueddeutsche.de heißt es dazu:
So sei die Auslegung der älteren Klimaanlagen auf Spitzenwerte von 32 Grad nicht Sache des Unternehmens, sondern entspreche einer internationalen Regelung - jener seit kurzem bekannten Norm 553 der Internationalen Eisenbahnunion UIC. Diese werde bei kommenden Generationen von Zügen automatisch angehoben, versicherte Grube.(...) Am gestrigen Donnerstag hatte Grubes Berater Georg Brunnhuber mit erstaunlicher Offenheit zugegeben: "Zum Zeitpunkt der Planung dieser ICEs ist niemand davon ausgegangen, dass wir einmal Temperaturen von mehr als 35 Grad in Deutschland haben würden."
Nachtrag 21.7.:
Habe hier versucht an die entsprechenden Papiere zu kommen. Leider ist die Stelle nicht bereit die ansonsten kostenpflichtigen Dokumente, auch nicht auszugsweise, kostenlos an einen Journalisten abzugeben. 180,00 Euro pro Dokument übersteigt mein Budget.
Autor: Marcus Anhäuser· 16.07.10 · 10:46 Uhr· 26 Kommentare
14. Juli 2010
Das müssen wir klären: Warum immer nur Edzard Ernst? (Nachtrag 15.7.)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 91
Dass mich hier keiner falsch versteht: Das ist jetzt kein Ball, den ich den Homöopathen zuspiele (er wird wahrscheinlich trotzdem aufgenommen werden), sondern eine Frage an meine Zunft, den Medizinjournalismus: Wie kommt es eigentlich, dass in Beiträgen zur Homöopathie eine Person mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Position des Kritikers der Homöopathie einnimmt? Das müssen wir klären, Leute. Und das geht auch die Medizinforscher an.
Autor: Marcus Anhäuser· 14.07.10 · 12:40 Uhr· 91 Kommentare
13. Juli 2010
Nachschlag und Links zum Blue Moon Talk mit Holgi (Nachtrag 2)
Kategorie: Kultur · Kommentare: 21
So, vollbracht. War gar nicht so schlimm wie ich dachte. Holger hat aber auch einfach ein sehr nette Art mit einem ins Gespräch zu kommen. Ich wollte es erst nicht glauben, aber zwei Stunden sind schneller vorbei als man denkt. Und natürlich fielen mir all die Antworten und Dinge, die ich noch sagen wollte zur Wissenschaft, der Medizin und dem Journalismus darüber nachher auf der Rückreise nach Dresden ein.
Zum Beispiel so was wie, dass sich gute Wissenschaft und Wissenschaftler eben dadurch auszeichnen, dass sie sich und ihre Ergebnisse immer selbst in Frage stellen. Dass sie wissen, dass ihr Wissen immer nur vorläufig ist usw. und viele andere Dinge mehr ... aber egal ...
Wer es sich anhören will, kann das im Podcast tun, findet sich hier auf der Blue Moon-Seite und hier der direkte Link zum Herunterladen. (Nachtrag: nur bis zum 20.7. verfügbar, siehe Kommentare).
Im Verlauf des Gesprächs haben wir einige Artikel und ein Buch erwähnt, da wollte ich noch die Links zu nachliefern:
Das tolle Buch von Gerd Gigerenzer heißt Das Einmaleins der Skepsis. (Link führt auf die Amazon-Seite.) Ist so eines der Bücher, das einem das Gefühl vermittelt: "Ja, jetzt habe ich es verstanden." Gerade was den Umgang mit den vermaledeiten Prozentangaben angeht.
Wir haben kurz noch die 10 Hinweise für Quacksalberei erwähnt. Ich habe meine vom empfehlenswerten Verbrauchermagazin "Gute Pillen-Schlechte Pillen". Die entsprechen denen des arznei-telegramms, was nicht verwundert, weil die Macher des a-t auch GPSP machen; mit anderen zusammen.
Die erste Version stammt wohl von Stephen Barrett vom Quackwatch. Esowatch hat sie ins Deutsche übersetzt und ergänzt.
Das Projekt Medien-Doktor, das ich am Ende noch erwähnte, ist gerade in der Entstehung. Es geht um die systematische Beurteilung medizinjournalistischer Texte in deutschsprachigen Medien, die dann auch online veröffentlicht werden (die Beurteilungen). Es geht darum, herauszufinden, wie gut die medizinjournalistische Berichterstattung bei uns ist, und zu zeigen, wo die tollen Artikel zu finden sind, und an welchen Stellen es immer wieder hakt.
Das Projekt wird sich dann auf dieser Webseite befinden: http://www.medien-doktor.de. Dort gibt bisher aber nur eine Pressemitteilung. Wir haben gerade erst angefangen.
Ein Vorbild für unseren Medien-Doktor stammt z.B. aus Amerika. Gary Schwitzers healthnewsreview.org. Ursprünglich kommt die Idee aus Australien.
Das Musikstück am Ende der Sendung (es wurde weniger getanzt als ich dachte ;-) stammt von der Hamburger Band Nationalgalerie, die es leider nicht mehr gibt. Der Titel des Stücks war: Entmaterialisieren. Schöne rockige Abgehnummer, (Lyrics hier). Der Sänger Nils Frevert machte dann alleine weiter, toller Singer-Songwriter.
Hab' ich was vergessen?
Ach so: Es heißt natürlich: Der Blog. ;-)
Nachtrag 1:
Im Verlauf der Sendung kamen wir kurz auf einen meiner alten Artikel zu sprechen, in dem ich beschreibe, was mit dem Körper unter extremen Bedingungen (Hitze, Kälte, Trockenheit usw.) passiert. Wer sich dafür interessiert: Findet sich hier auf meiner alten Webseite (alt deswegen, weil ich eine Neue baue, an die Alte kann ich leider nicht mehr updaten ...)
Nachtrag 2:
Da fällt mir ein: Wir hatten auch noch kurz über Vitamin C gesprochen und wie es Roche in den 30er Jahren schaffte, die Welt davon zu überzeugen, dass man damit gesund bleibt. Hatte ich ich hier bei mir als Beitrag, von dort geht es auch zu dem Beitrag in der Baseler Zeitung.
Autor: Marcus Anhäuser· 13.07.10 · 11:54 Uhr· 21 Kommentare
12. Juli 2010
Schüttelfrust: Homöopathie im SPIEGEL (Update 13.7.)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 156
Das nenn' ich Humor. Der Titel der SPIEGEL-Geschichte lautet: Der große Schüttelfrust. Markus Grill und Veronika Hackenbroch gehen das ganze Thema durch und ihre Haltung ist klar: Homöopathie hat keinen medizinischen Nutzen, auch wenn es Millionen Menschen behaupten.
Autor: Marcus Anhäuser· 12.07.10 · 14:42 Uhr· 156 Kommentare
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